Mittwoch, 23. Oktober 2019
Die Geschichte der Musikkapelle Losensteinleiten PDF Drucken

 

Die Musikkapelle Losensteinleiten feierte 2011 ein ganz besonderes Jubiläum. "Wir" wurden nämlich 225 Jahre alt. Das sieht man uns (mit einigen bedauerlichen Ausnahmen) aber wirklich nicht an.


Unser Erfolgsrezept

Zitat von Bezirkshauptmann Hofrat Dr. Johann Zeller, 2001:
"Es ist eine herausragende Leistung, in einer Ortschaft über eine so lange Zeit den Spielbetrieb einer Musikkapelle aufrecht zu erhalten. Das ist nur durch ständiges Bemühen um die Jugend möglich. Die Musikkapelle Losensteinleiten praktiziert dies in vorbildlicher Weise."


ABER...

Trotz intensiver Nachforschungen ist der genaue Zeitpunkt der Gründung der Musikkapelle Losensteinleiten nicht mehr feststellbar. Die Pfarrchronik von Maria Laah (seit 1884 in schriftlicher Form) hält 1905 fest, dass die Musikkapelle schon seit 120 Jahren ununterbrochen besteht und daher gleich alt wie die Pfarre Maria Laah ist.



Was ist vor 225 Jahren sonst noch so alles passiert?

Die Musikkapelle Losensteinleiten wird gegründet und ist damit die älteste Landkapelle in ganz Oberösterreich. Fast alle anderen Musikkapellen in Oberösterreich tragen im Vergleich zu uns noch Windeln.

Kaiserin Maria Theresia ist erst seit 6 jahren tot. Ihr Sohn, Kaiser Joseph II, regiert das Land.

1786 ist die Uraufführung von Le nozze di Figaro (Die Hochzeit des Figaro) von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Uraufführung findet am 1. Mai 1786 im Wiener Burgtheater statt, ist also quasi ein Vorläufer unserer Maiausfahrt.
Die Reaktion ist eisiger Protest des Wiener Adels. Die Oper bleibt in Wien nur sehr kurz auf dem Spielplan.

Am 1. August 1786 entdeckt die Astronomin Caroline Herschel einen Kometen. Es ist der erste Komet, der von einer Frau entdeckt wurde.

Am 8. August 1786 gelingt den Herren Dr. Michael-Gabriel Paccard and Jacques Balmat die Erstbesteigung des Mont Blanc.

Johann Wolfgang von Goethe unternimmt von September bis Dezember 1786 seine "Italienische Reise".



Chronik der Musikkapelle Losensteinleiten

Die folgende Chronik wird zumindest seit 1986 nahezu unverändert in allen Festschriften der Musikkapelle Losensteinleiten abgedruckt und hat sich jetzt endlich einen Platz im Internet verdient - unser Dank gebührt dem unbekannten Autor. Ich habe mir aber erlaubt, den Text auf Neue Deutsche Rechtschreibung "upzugraden".


1786

Die mündliche Überlieferung erbrachte folgende Fakten: 1912 wurde Herr Mathias Huber ("Saghuber") für 40-jährige Kapellmeistertätigkeit geehrt, wobei ihm ein Taktstock mit Gravur überreicht wurde. Bei dieser Feier wurde erwähnt, dass vor ihm ein Herr Minichmayr ("Wagner in der Hoad") ebenfalls sehr lange Kapellmeister gewesen sei.
    Herr Leopold Michlmayr ("Schuster in der Wies"), schon in den 1880er Jahren Schlagzeuger, berichtete, dass sein Großvater schon seinerzeit bei der Musikkapelle mitgewirkt hätte.


1884

Aus der Pfarrchronik:
Pfarrer Josef Schachinger hält 1884 die "Missstände" in der neu übernommenen Pfarre fest und schreibt u.a., dass ein alter Brauch, nämlich das Abspielen eines Marsches während des Opferganges bei einem Begräbnis, unbedingt abgeschafft werden müsse.


1890

1890, anlässlich einer Glockenweihe, wird die Mitwirkung der Kapelle ebenfalls erwähnt.


1896

Am 7. September 1896 war Maria Laah mit Kränzen und Fahnen geschmückt und alle warteten auf die Ankunft des Hochwürdigsten Herrn Bischof Franz Maria Doppelbauer. Auch hier durfte die Musikkapelle nicht fehlen.
    Während des ersten Weltkrieges trat die Kapelle nicht in Erscheinung, da ein großer Teil der Musiker ins Feld ziehen musste. Erstes Auftreten nach dem Krieg dürfte eine Heimkehrerfeier im Schlosshof, jedoch noch mit sehr kleiner Besetzung, gewesen sein.


1921

Am 5. Mai 1921 fand in Losensteinleiten die Fahnenweihe des Burschenvereines statt, wobei die Musikkapelle, in der Zwischenzeit schon ein etwas größerer Klangkörper, die Messe und den Festzug spielte.


1923

Ende Mai 1923 unternahmen etwa 150 Personen, auch die Musikkapelle war dabei, aus der ganzen Umgebung unter Leitung des Pfarrprovisors Josef Knopp eine Wallfahrt nach Maria Zell, bei der es einige lustige Episoden zu berichten gab.


1926

Die Musikkapelle Losensteinleiten hatte drei Jubilare, die bereits 50 Jahre und länger der Kapelle angehörten:  Josef Riedl (Rinnerthaler), Franz Weinzierl (ehem. Oberhischenberger) und Leopold Michlmayr (Fuchsschuster). aus diesem Anlass wurde am 18. April 1926 ein Fest abgehalten. Am Vormittag Festgottesdienst durch Stiftskellermeister von St. Florian Johann Hummer, am Nachmittag fand die Überreichung der vom Verein der Musikfreunde gespendeten Ehrendiplome an die Jubilare statt. Zum folgenden Festkonzert waren neben der Musikkapelle Losensteinleiten auch Wolfern und Hofkirchen erschienen.


1932

    Da die Musikkapelle kein Vermögen hatte und die Instrumente etc. sehr teuer waren, wurde in Weinberger's Gasthaus am 2. Oktober 1932 ein Musikverein gegründet. Viele Mitglieder traten bei, bei deren Begräbnis die Musikkapelle unentgeltlich spielte. Erster Obmann wurde Karl Steinmayr, Wirt in Maria Laah.


1940

Ab dem Jahr 1940 war die Kapelle wiederum spielunfähig, da die meisten Musiker wieder an die Front mussten.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich Kapellmeister Josef Michlmayr, Schriftführer Josef Bruckner und Josef Ackerl mit einigen Musikkameraden, die aus dem Krieg zurückgekehrt waren, die Musikapelle neu zu beleben. Hierbei beteiligte sich auch Georg Weichselberger, der bis zum Jahr 1955 als Stabführer fungierte. Einen großen Aufschwung für die Kapelle brachten in dieser Zeit die Gablonzer, die, aus ihrer Heimat vertrieben, sich in Losensteinleiten niederließen und auch bei der Kapelle in starker Besetzung mitwirkten.


1956

Am 8. Juli 1956 fand in Losensteinleiten anlässlich des 170-jährigen Bestandsjubiläums der Musikkapelle Losensteinleiten ein Bezirksmusikfest statt. Bei diesem Fest waren 26 Kapellen aus dem Bezirk und aus der Umgebung anwesend. Die Zahl der Besucher wurde auf ca. 5000 geschätzt. Als großer Initiator erwies sich bei diesem Fest der weithin bekannte Kamillianerpater und Juvenatsdirektor P. Neuberger. Ihm hatte der Musikverein damals die gelungene Gestaltung des Fests zum Großteil zu verdanken.


1957

Im Jahr 1957 war die Neuinstrumentierung der Kapelle von hoher Stimmung auf Normalstimmung. Die Anschaffung der neuen Instrumente, die sich auf öS 61.000,00 belief, wurde teils von der Gemeinde Wolfern, teils von der Großzügigkeit der Bevölkerung von Losensteinleiten finanziert.


1958

Im August 1958 fand in Steyr das Landesmusikfest statt, an dem auch die Musikkapelle Losensteinleiten teilnahm. Die Kapelle errang hierbei beim Wertungsspiel in der Oberstufe einen 1. Rang mit Auszeichnung, mit der Overtüre aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi.
   In der Folgezeit nahm die Kapelle an mehreren Musikfesten teil, bei denen in der Marschwertung des öfteren ein erster Rang mit Auszeichnung erreicht wurde. Gelungene Waldfeste und später die Sommernachtsfeste in der (mittlerweile leider geschlägerten) Kastanienallee sorgten in den Fünfziger- und Sechzigerjahren für eine gute finanzielle Basis.


1971

1971 feierte man im Rahmen eines Bezirksmusikfestes das 185-jährige Bestehen der Musikkapelle. Fünf- bis sechstausend Gäste verfolgten bei strahlendem Wetter den Festzug, an dem 27 Kapellen, 10 Festwägen, Reiter und volkstümliche und historische Gruppen teilnahmen. Beim Wertungsspiel konnte durch die Jubelkapelle ein erster Rang und in der Marschwertung ein erster Rang mit Auszeichnung erreicht werden.
    Die Ausfahrt am ersten Mai hat sich zu einer zweitägigen Tournee mit Traktor und Anhänger zu allen Mitgliedern und Gönnern entwickelt.


1975

Wandertage, Flohmarkt, Hallenfest und der jährliche Musikball schaffen in der Folge neben den Mitgliedsbeiträgen die finanzielle Grundlage für den Bau eines eigenen Musikheimes.
   


1983

1983 konnte bei den Bläsertagen in Weyer ein 1. Rang mit Auszeichnung erreicht werden.


1987

1987 findet das erste Wunschkonzert statt. Es ist seither eine nicht unwichtige Einnahmequelle. Allen Gönnern einen herzlichen Dank.


1992

Seit 1992 wurde fast jedes Jahr bei einer Konzertwertung teilgenommen. Die dabei erzielten ausgezeichneten oder sehr guten Erfolge bestätigten der Musikkapelle immer wieder, dass die Musiker hervorragende Arbeit leisten und gemeinsam ein hörbarer Klangkörper sind.


1995

Nach vielen Jahren war die Musikkapelle im Jahr 1995 erstmals wieder bei einer Marschwertung und erreichte prompt einen sehr guten Erfolg. Auszeichnungen folgten.


1996

Am 21. September 1996 wurde das 210-jährige Bestehen der Musikkapelle im Gasthaus Leeb mit einer festlichen Veranstaltung und einem Fackelzug gefeiert.


1999

Eine Ausrückung der besonderen Art war am 28. Februar 1999 die musikalische Umrahmung der nordischen WM in der Ramsau/Dachstein. Für alle teilnehmenden MusikerInnen, Angehörigen und Freunde war es ein tolles Erlebnis.